Scanvergnügen statt Kassenfrust

Ich denke nicht nur mir geht es so, dass das Einkaufen im Lebensmittelmarkt durch die gängige Praxis an der Kasse wesentlich getrübt wird: Alles muss aufs Band und nach der Warenerfassung - gegen die windmühlengleich agierende Kassierperson abarbeitend - in größter Eile wieder in die endgültige Transporthilfe verbracht werden. Jedes Stück wird also viermal (Regal > Wagen, Wagen > Band, Band > Warenerfassung, Kasse > Tasche) angefasst und am Ende geht das mit großer Hektik und oft auch Wartezeit einher.

Es liegt nahe, dem Kunden das Scannen am eigenen Wagen zu überlassen und am Ende nur fix abzurechnen. Jedenfalls habe ich die Vorteile des Öfteren gedanklich abgewogen und mir sehr eine Lösung gewünscht. Man mag sich fragen, warum man beim Einkaufen einen zusätzlichen Aspekt den Angestellten des Händlers aus den Händen nehmen soll, aber alles am so gewohnten Kassenbandprozess kann man so nervig und rückständig erachten (vermutlich auch für die Personen, die dort ihr Geld verdienen müssen), dass ich das gerne während des Weges der Waren vom Regal in den Wagen übernehme.

Die Herausforderung liegt auf der Hand: Wie die scheinbar naturgegebene Unehrlichkeit des Menschen zähmen. Allzu groß wäre doch die Verlockung Waren (vielleicht einige kostspielige) ohne Erfassung in den Wagen zu legen und nach Hause zu tragen. Durch meinen Kopf schossen Vorstellungen von Scan-Portalen oder Schleusen, die mithilfe eines Lichtschrankenfeldes die Öffnung des Wagens überwachen und so jede Warenbewegung bzw. jeden Eingriff zwangsläufig erfassen. (Rein optisch, wie mit den derzeitig verbreiteten Barcodes könnte das System dann aber nicht arbeiten, da diese allzu leicht verdeckt werden könnten. Natürlich wäre für das Szenario „Eingriff ohne Warenerfassung“ eine Fehlermeldung o.ä. denkbar, aber der Frust für Kunden und Mitarbeiter, die das dann irgendwie zu klären hätten, wäre sicher höher als die alltägliche Konfrontation mit dem Kassenband). Dir Faktoren Fehleranfälligkeit und Investitionshöhe legen für derartige Gedankenspiele nahe, dass die Realisierung für die Supermarktketten nicht attraktiv ist.

Tatsächlich ist mir nirgendwo auch nur der Versuch einer Innovation oder Veränderung des Endgegners Kassenband begegnet (OK, ich erinnere mich noch an die Kassiererinnen, die im Prä-Barcodescanner-Zeitalter Preise in einem Affenzahl in die Tastatur gehämmert haben). Nun waren wir kürzlichen in den Niederlanden und als wir die Filiale der Kette Plus in Balk betraten, traute ich meinen Augen kaum: Eine Batterie von kompakten Handscannern, die dem Kunden erlauben die Warenerfassung selbst in den Hand zu nehmen.

scanner Scanner Zebra Motorola MC17

Die Verwendung ist denkbar einfach: Am Terminal (wo die Geräte auch geladen werden) auf ‚Start‘ drücken, den Scanner aus dem aufleuchtenden Fach nehmen, bei Bedarf in den Halter am Wagen stecken und dann fröhlich alles ‚abpiepsen‘, wie man das schon immer machen wollte. :-) Tasten zum Erhöhen oder Reduzieren der Anzahl sind auch dran.

Neben dem guten Gefühl die Dinge nicht nur in den Wagen zu werfen, sondern in die mitgebrachte Transporthilfe gleich final einzusortieren hat man auch noch die volle Kostenkontrolle, denn virtuelle Kassenzettel ist in Echtzeit einzusehen. Am Ende gibt man den Scanner an einem gesonderten Kassenthresen ab und begleicht die Rechnung, was für den gesamten Einkauf nur Sekunden braucht.

Das Problem mit dem Diebstahl, der einem mit diesem System besonders einfach gemacht wird (eine 10-Euro-Weinfalsche ließe sich ganz vorzüglich unten in der Kiste verbergen) ist sicher nicht dadurch gelöst, dass das Niederländische Volk einfach herausragend ehrlich ist. Ich weiß nicht, ob der Schaden bei Supermärkten mit Selbstscanmöglichkeit größer ausfällt, als ohne, aber letztlich bleibt auch hier nur, wie anderen Einzelhändern, es einzukalkulieren. Noch dazu sei bemerkt, dass es bei diesem Supermarkt (möglicherweise in den Niederlanden üblich) Spirituosen (eine Warengruppe wo Preis und Beschaffungsdrang eine ungute Paaring darstellen kann) in einem abgetrennten Teil des Marktes gibt - mit eigener Kasse und ohne dem Kunden Scanner in die Hand zu drücken.

wagen Das schöne Gefühl die Dinge noch im Wagen endgültig zu verstauen

Und in Deutschland? Das stets lesenwerte Supermarktblog hat natürlich schon über die zaghaften Versuche in unserem Land berichtet. Diese lassen keine baldige und flächendeckende Einführung erwarten. Vielleicht liebt der durchschnittliche Deutsche Supermarktkunde die soziale Interaktion und das Innehalten am Kassenband genauso, wie sein Bargeld.

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