Paraguay 2017 - Teil 2

Dies ist Teil 2 über unseren Ausflug zu den Iguazú-Wasserfällen und die Rückreise. Teil 1 dreht sich um den Hintergrund unserer Reise, Ankunft, Versammlung und Dienst.

Iguazú-Wasserfälle

So richtig viele Sehenswürdigkeiten hat Südamerika ja nicht zu bieten (Kenner schätzes es eher als Gesamtkunstwerk) und wenn, dann ist alles sehr weit auseinander und schlecht zu erreichen. Einer der Höhepunkte war von uns aus aber in wenigen Stunden zu erreichen und das ließen wir uns nicht entgehen: Die Iguaçu- (Portugiesisch) / Iguazú-Wasserfälle (Spanisch) des Rio Iguacú. Sie liegen nicht in Paraguay, sondern zwischen Brasilien und Argentinien, nahe der Grenze aller drei Länder.

Für alle Wasserfallfreunde eine kurze Einordnung:

Upon seeing Iguazu, the United States First Lady Eleanor Roosevelt reportedly exclaimed “Poor Niagara!” (which, at 50 m or 165 feet, are a third shorter). Often Iguazu also is compared with Victoria Falls in Southern Africa, which separates Zambia and Zimbabwe. Iguazu is wider, but because it is split into approximately 275 discrete falls and large islands, Victoria has the largest curtain of water in the world, at more than 1,600 m (5,249 ft) wide and over 100 m (328 ft) in height

en.wikipedia.org

Ihr Durchfluss liegt mit 1746 m³/sec im Jahresmittel an Platz vier aller sichtbaren Wasserfälle hinter den Niagarafällen in Nordamerika, aber vor den Victoriafällen in Afrika. Aber abseits der Zahlen und Vergleiche liegt ihr besonderer Reiz gerade darin, dass sich die Sache nicht nur einem Punkt abspielt, sondern sich über 2,7 km in einer subtropischen Wald- und Felslandschaft verteilt. Dadurch gibt es viel zu entdecken und die Fahrt hat sich wirklich gelohnt.

Im Bus

Ciudad del Este

Die Anreise erfolgte mit dem Bus in Richtung Ciudad des Este. Das ist sicher eine der hässlichsten und kriminellsten Städte Paraguays und scheint hauptsächlich dem Einkaufstourismus von der brasilianischen Seite zu dienen. Am Sonntag war die Stadt zwar wie ausgestorben, aber der erste Eindruck vom Tor nach Brasilien war kein guter. Der Fernbus entlässt einen am Terminal beim sog. ‘Kilometer Sieben’. Von dort ging es per Lokalbus zum Terminal in der Stadt und dann zu Fuß ca. 800 m weiter zur Ausreise aus Paraguay, dann per Brücke über den Rio Paraná (leider kann man von da den Itaípu-Staudamm nicht sehen) zur Einreise nach Brasilien. Die Stadt dort heißt Foz de Iguaçu.

Brasilianische Seite

Grenze

An der Grenze, die hier durch den Rio Paraná gebildet wird, Blick Richtung Süden, Links Brasilien, dahinter Argentinien, Rechts Paraguay

Mit den ersten Schritten merkt man gleich einen Unterschied. Brasilien merkt man das Schwellenland an. Es wirkt europäischer und auf großen Tafeln wird für Einkaufsgelegenheiten geworden, die allesamt einen Bezug zu Europäischen Hauptstädten aufweisen. Nichts los ist hier am Sonntag aber auch, sodass sich kein Bus finden lies und wir auf ein Taxi zurückgriffen. Für ca. 1,40 EUR pro Person kamen wir so zu unserem Hostel nahe der Innenstadt von Foz. Die Stadt ist nicht unbedingt günstig, aber das Angebot z.B. im Supermarkt ist gut, wenn auch sehr durchsetzt von den Europäischen Lebensmittelkonzernen. Auf jeden Fall ist zum Beispiel Bohnenkaffee ein beliebter Artikel zum Mitnehmen nach Paraguay, wo der echt Mangelware ist. Außerdem gibt es viele Lokale in der Stadt. Wir haben am ersten Abend z.B. sehr günstig in einer für die Gegend typischen Churrasqueira gespeist. Das ist ein Grillhaus, das innen oft mit dem Charme eine Bahnhofs aufwartet, aber gutes Essen bietet. Das Prinzip ist, dass Fleisch kontinuierlich am Spieß gegrillt wird, die Köche dann zu den Gästen an den Tisch kommen, die Fleischart benennen und einem ein paar Stücke davon abschneiden. Das ist wirklich genial, denn es ist immer frisch und gut gegrillt und man kann verschiedenes probieren. Wenn man die Spießträger versteht, weiß man auch was. ;-) Dazu gibt es ein Beilagenbüffet, alles zum Festpreis bis man eben satt ist, Getränke natürlich extra. Das sollte man in Brasilien unbedingt mitnehmen.

Es gibt diverse Angebote für Touristen, die mit gewissen Wasserfallprogrammen werben, aber man kann für einen schmalen Taler einfach in die Linie 120 einsteigen (am Bus-Terminal ist die Abfahrt in Richtung Cataratas auch ausgeschildert). Der fährt dann aus der Stadt heraus, hält kurz am Flughafen und erreicht mit den Wasserfällen das Ende der Linie.

Dort haben wir an den SB-Automaten die Tickets per Kreditkarte bezahlt (man wählt dabei eine Uhrzeit für die Bus-Passage im Park, was bei viel Publikum den Andrang bändigt), noch einen Snack eingeworfen weil es morgens etwas hektisch war (man muss wissen, dass es zwischen Brasilien und Paraguay 1ĥ Zeitunterschied gibt. Mein Handy hatte sich im Hostel nochmal in paraguayische Netz eingewählt und uns so zur falschen Zeit geweckt) und so einen sehr gut organisierten und entspannten Einstieg erlebt.

Mit offenen Doppeldeckerbussen ging noch ein paar Minuten innerhalb des Parks weiter. Es war eine gute Idee bei dem Hotel auszusteigen, weil man sich so den Höhepunkt für den Schluss aufhebt. Auf der brasilianischen Seite liegen nur 20% der Wasserfälle. Der Reiz ist eigentlich das Panorama, und zwar hauptsächlich über die argentinische Seite. :-D Der erste Blick ging so jedenfalls in die Weite und machte Lust auf mehr. Der Wasserdurchsatz war in dieser Zeit etwas unterdurchschnittlich, aber dafür waren die Fälle schön weiß (bei mehr Durchfluss wird es braun). Auf schönen schattigen Wegen geht es dann flussaufwärts in Richtung der Hauptfälle, wobei sich immer wieder schöne Ansichten erschließen. Ständige Begleiter sind dabei Quatis - Nasenbären, die viel besser aussehen als sie sind - nämlich parasitenverseuchte, stinkende, bissige Diebe. Füttern und Anfassen muss unterbleiben. Es gibt aber auch farbenfrohe und große Schmetterlinge zu entdecken.

Panorama

Nasenbär

Auf einer natürlichen Terrasse zwischen den oberen und unteren Wasserfällen wurde ein Steg errichtet, mit dem man ziemlich weit hineinlaufen kann. Links gibt es so einen schönen Wasservorhang, rechts den Blick über die Kante und geradeaus ein Blick in Schlucht hinein und auf den schmalen Fluss, der sich, schön türkis, die Schlucht entlang von den Wasserfällen wegbewegt. Wir haben diesen Punkt genossen, aber auch wahrgenommen, dass man vor dort bei weitem nicht alles sehen kann. Das hat die Vorfreude auf den nächsten Tag gesteigert und uns in der gewählten Reihenfolge bestätigt.

Selfie

Terrasse

Blick in den Schlund

Der Steg von dem man einen Blick auf die Hauptwasserfälle werfen kann, was aber alles schon argentinisches Terrain ist

Wir vor dem Wasserfall

Von dieser Stelle überwindet man dann die Höhe der Wasserfälle (für die Bequemen gibt es einen Panorama-Fahrstuhl, wir bevorzugten den Weg durch den Wald), sodass man noch einen Blick auf den unglaublich breiten Oberlauf mitnehmen kann, der eher wie ein ruhiger See wirkt.

Oberlauf

In einem halben Tag ist der Hauptweg geschafft. Man kann sich auch noch mit einem Boot hinfahren lassen, aber das Geld sollte man sich lieber für die argentinische Seite aufheben.

Nebenan gibt es noch einen Vogelpark, der einlädt die zweite Tageshälfte hier zu verbringen. Höhepunkte waren für uns die Tucane die mit ihren riesigen, bunten Schnäbeln stets etwas Positives ausstrahlen und die betretbare Voliere voller Aras. Hier kann sie sich um die Ohren flattern lassen und feststellen, dass sie viel besser aussehen, als sie klingen. Na ja, ein kleiner grüner Loro konnte wenigstens mit einem astreinen ‘Hola!’ aufwarten. In dem kleinen Pavillon bei den Reptilien haben wir zum ersten Mal aus einer Kokosnuss getrunken und uns von den Vorzügen der Açaí-Beere überzeugt - eine sehr passende Umgebung dafür.

Tucane

Aras

Menü

Argentinische Seite

Kaum in Brasilien angekommen hieß es auch schon wieder ausreisen, wenn auch nur für einen Tag, diesmal in Richtung Argentinen. Wieder sind wir auf der Straße in einen einen öffentlichen Bus gestiegen. Die fahren dort alle 40 Minuten und haben ihr Ziel vorne groß angeschrieben: Puerto Iguaźu. Schön war, dass er gewartet hat, während wir kurz die Einreiseformalitäten erledigten (wenn man am selben Tag wieder zurückkommt ist an der brasilianischen Grenze nichts zu tun). Mit dem Ruf “Cataratas” warf der uns an einem kleinen Haltehäuschen heraus (den Umweg zum Terminal kann man sich so sparen). Trotz der Aussicht auf einen Bus hat uns ein Taxifahrer preislich überzeugt, auch wenn das eine Fahrt zu sechst im Renault Clio bedeutete. Es war trotzdem sehr nett. :-)

Als wirklich stressig bei diesem Trip erweist sich nicht nur das ständige Passieren von Grenzen, sondern auch, dass man in drei verschiedenen Währungen umrechnen muss. Im übrigen sollte man Argentinische Pesos schon außerhalb von Argentinien auftreiben, da die Kurse auf der Straße oder an den Wasserfällen eher schlecht sind. Auch wenn wir wussten, dass man den Eintritt nur bar begleichen kann, hatten wir dafür keine Gelegenheit gefunden und noch dazu hatten die Wechselschalter an den Wasserfällen geschlossen, sodass wir dem Taxifahrer seine Pesos ziemlich teuer abkaufen mussten.

Auch der Park der argentinischen Seite ist recht weitläufig und wird mit einer kleinen Eisenbahn erschlossen. Nachdem wir an dem mittleren Bahnhof eine halbe Stunde für nichts herumgestanden hatten (eine Erfahrung, die mich sehr über das mangelnde Organisationstalent der Südamerikaner hat fluchen lassen) erreichten wir dann die Endstation. Von hier läuft man auf Stegen ein paar hundert Meter über den Oberlauf des Flusses. Gischtschwaden in der Ferne deuten an, dass die Ruhe gleich etwas anderem weichen wird. Ein paar Biegungen weiter steht man dann neben dem Hauptwasserfall an der Garganta del Diabolo (Teufelsschlund). Das ist wirklich eine beeindruckende Gewalt. Das ruhig dahinfließende Wasser nimmt über ein paar Stromschnellen Anlauf, fällt über eine fein definierte Kante und verwandelt sich innerhalb von ein paar Zentimetern unter großem Donner in eine weiße Wasserwand, die nach unten in einen undurchdringlichen Nebel übergeht, der kein Oben oder Unten hat, sondern nur weiß ist. Und das Wasser wird nie alle, fällt immer weiter, Millionen von Litern in jeder Sekunde. Je nach Windrichtung wird man ordentlich nass und zwar eher von unten und vorne. Ich war nicht böse über die Erfrischung aber war froh, dass meine Kamera spritzwassergeschützt ist. Gäste kommen mit jedem ankommenden Zug schwallweise an diesem Punkt an, sodass die Geländer schnell besetzt werden. Ein bisschen Trödelei wird also mit Ruhe und freier Sicht belohnt.

Diabolo1

Diabolo2

Diabolo3

Diabolo4

Das ist zwar der größte Wasserfall, aber uns hat es nicht geschadet der Empfehlung zu folgen diesen Punkt zuerst anzusteuern. Schön ist, dass der Park noch mehr zu bieten hat. Es gibt noch zwei lange Rundwege, einen ‘oberen’ und einen ‘unteren’ Pfad. Beide bieten einen Mix aus Wald und kleineren Wasserfällen, aber dafür beinahe zum Anfassen. Mit etwas Glück erspäht man ein Krokodil, Affen und Leguane; Spinnen, Nasenbären und Schmetterlinge auf jeden Fall. Alles zusammen macht die argentische Seite zum umfassenderen Wasserfallerlebnis. Man kann hier wirklich den ganzen Tag verbringen ohne das es langweilig wird. Mit Zeit und Lust kann man sich mit einem Boot den Fluss entlang und / oder an die Wasserfälle fahren lassen und auf die Halbinsel San Martín übersetzen, die noch weitere Perspektiven bietet (wir waren leider zu spät).

Argentinien

Argentinien

Argentinien

Argentinien

Argentinien

Ein Regencape ist übrigens eine sinnvolle Ausrüstung. Zwar muss man keinen zu großen Respekt vor der Gischt der Wasserfälle haben, aber ein Faktor hatten wir darüber hinaus nicht bedacht: Regen. Ab Mittag wollte es nicht mehr aufhören, sodass wir dann recht teure Plastikcapes kaufen mussten, um weiter zu können. Dem Genuss hat das aber kein Abbruch getan, denn irgendwie passt der Regen zu dem Wald und lässt das Grün besonders lebendig wirken.

Mit Cape

Grün

Jetzt sind die Wasserfälle hier sehr umfangreich vertreten, obwohl das nur ein Dreitagesausflug war. Das liegt aber in der Natur einer solchen Attraktion, denke ich. Viele Eindrücke in kurzer Zeit, während sich die Zeit unseres Aufenthalts in Paraguay davor und danach schnell zu einem angenehmen Alltag entwickelte, sodass es sich schon wie Nach-Hause-Kommen anfühlte, als wir die Grenze nach Paraguay wieder überschritten um die Rückreise nach Campo Nueve anzutreten.

Abschied

Für unsere Rückreise haben wir es nach Gedächtnismahl und Abschied von allen Brüdern und Schwestern ruhig angehen lassen. Zuerst gab es noch eine Übernachtung in Asunción (genauer San Lorenzo). Auf dem Weg dahin ereilte uns endlich auch noch eine Buspanne, die die Fahrer trotz des Versuchs nicht mit Panzer-Tape beheben konnten. Nach einer halben Stunde konnten wir in einen Ersatzbus umsteigen. Weil das aber einfach der nächste auf der Linie war, bot er eigentlich keinen Platz für so viele weitere Fahrgäste, weswegen wir uns dann irgendwohin quetschen mussten, mit der Aussicht auf weitere zwei Stunden des Weges.

Panne

Ofen

Früchte

Am Ziel angekommen konnten wir die Gastfreundschaft der beiden oben erwähnten Schwestern (und Schäferhund Axel) nebst Wetter und Vegetation des Landes auf eine Weise genießen, die den Abschied nicht unbedingt leichter machte. Ernüchternd war höchstens auf dem Weg zum Flughafen die Begebenheit zu hören, wie trotz verschiedener Krankenhäuser nur unter höchstem privaten Engagement und dem Organisieren eigener Ärzte die Oma knapp vor dem Tod durch simpel zu behebenden Nebeneffekt des Dengue-Fiebers vor dem Tod gerettet werden konnte. Und zu sehen, wie auf der Kreuzung vor uns ein Motorradfahrer mit einer schmuddeligen Decke zugedeckt wurde, der die Kollision mit einem Bus vermutlich nicht überlebt. Das vermittelt, wie gegenwärtig Risiko in ärmeren Ländern nach wie vor ist, was zu einem realistischen Eindruck dazu gehört.

Das Flugzeug brachte uns nach Frankfurt, wo wir eine weitere Nacht verbrachten - das erste Mal wieder in Deutschland. Schön ist die Sauberkeit und der satte Druck des warmen Wassers aus der Dusche. Die 15 °C, röhrenden Proll-Boliden und Turmbauten der Bankster mit ihren First-World-Problemen sind aber verzichtbar.

Bahnhof

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