Paraguay 2017 - Teil 1

Dies ist Teil 1 über Hintergrund unserer Reise, Ankunft, Versammlung und Dienst. Teil 2 dreht sich um unseren Ausflug zu den Iguazú-Wasserfällen und die Rückreise.

Den Großteil unseres diesjährigen Urlaubs haben wir in Paraguay verbracht. Das Land ist weder sehr bekannt noch bei Touristen beliebt. Es ist eines der kleinsten auf dem südamerikanischen Kontinent und wird umschlossen von den größeren Nachbarn Brasilien, Bolivien und Argentinien. Vom Meer ist es leider weit entfernt. Das Klima ist subtropisch und mit unserem Aufenthalt im März-April haben wir einen schönen Herbst erlebt - mit Tagen über 35 Grad aber auch ordentliche Gewitter und eher kühle Tage mit 20 Grad.

Kartenausschnitt

Anlass dort, genauer in Dr. Juan Eulogio Estigarribia in der Mitte des Landes, soviel Zeit zu verbringen war die Unterstützung der dortigen Deutschen Versammlung der Zeugen Jehovas. Sie konzentrieren sich auf die dort lebenden Mennoniten. Das ist eine Bevölkerungsgruppe / Minderheit, die ihren Ursprung im Gebiet des heutigen Ostfrieslands hat und sich vor ca. 70 Jahren dort in Paraguay angesiedelt hat. Sie sprechen Plautdietsch, was eine niederdeutsche Sprache ist - irgendwas zwischen Plattdeutsch und Niederländisch. Um diese Menschen anzusprechen, werden die Zusammenkünfte inzwischen in dieser Sprache abgehalten, auch wenn kein Muttersprachler dazugehört. Mehr zu den Verhältnissen und unseren Erlebnissen unten.

Wir waren im Vorfeld nicht auf diese Versammlung festgelegt. Der Plan war lediglich während eines Monats Urlaub im Deutschen oder Plautdietschen Gebiet in Südamerika zu unterstützen. Zwar hatten wir von Verschiedenen gehört, die das auch schon getan hatten, aber keine persönliche Bekanntschaft vor Ort. Stattdessen gingen wir den offiziellen Weg und schrieben an die Zweigbüros in Chile, Mexiko und Paraguay. Alle haben geantwortet, aber die Antwort aus Paraguay war die erste und konkreteste was Bedarf und Dringlichkeit angeht. Somit war die Entscheidung gefallen.

Abreise

Kurz vor dem Abflug in FRA. Auch wenn wir mit all dem Gepäck nicht unbedingt lange Fußwege zurückgelegt haben, war es doch praktisch dank der Rucksäcke alles tragen zu können und trotzdem noch eine Hand freizuhaben

Asunción

Foto-Laden

Unsere Reise führte uns mit dem Zug von Heide nach Frankfurt und von da in einer Flugreise über Madrid nach Asunción, der Hauptstadt von Paraguay. Hier haben wir uns ein paar Tage aufgehalten (von Donnerstag bis Montagmorgen). Die Stadt hat wenig zu bieten, war aber eine gute Einstimmung auf das Südamerikanische Flair - alles ist ein bisschen chaotisch, kaputt und morbide. Wir wohnten in der Mitte der Stadt, haben zu Fuß ein paar Runden gedreht, u.a. durch Regierungsviertel und diverse Märkte, sowie ein paar der wenigen Restaurantempfehlungen ausprobiert. Die einzelnen Viertel der Stadt in Karos aufgeteilt - eine Straße, wo zwei Blöcke aneinander stoßen nennt sich Quadra, der Block selbst Manzana (spanisch für Apfel). Das ist sehr praktisch für die Orientierung. So kann eine Wegbeschreibung lauten ‘3 Quadras nach Norden und dann 5 nach rechts’. Wenn man ein bisschen umhergelaufen ist, sieht aber alles mehr oder weniger gleich aus. Leider wird die Stadt nicht gut in Schuss gehalten und überall liegt Dreck. Es gibt auch ein paar Hochhäuser, aber eines sieht schlimmer aus als das nächste.

Panorama Straße

Vor dem Kunstmarkt

Am Plaza de La Libertad gibt es einen Kunst- und Handarbeitsmarkt. Gerade die Lederwaren, für die Paraguay bekannt ist, kann man hier in allen möglichen Varianten finden. Preise stehen nicht dran, aber in der Regel wird auf Gegenvorschläge eingegangen :-)

Palacio de Lopez

Palacio de Lopez

Blaues Haus

Lo de Oswaldo

Wir im Lo des Oswaldo (in dem ein Fußballthema sehr vorherrschend ist) zum ersten Grillfleisch im Land. Preislich wohl eher auf Ausländer ausgelegt …

Straßengrill

… und nicht weniger appetitanregend einer der vielen Grills am Straßenrand.

Die Stadt bzw. der Ballungsraum ist ziemlich flächig und zu Fuß kommt man nicht weit. Öffentlicher Verkehr wird durch Busse aufrecht erhalten. Das Preissystem ist simpel: 0,30 EUR für einen Bus ohne Klimaanlage (deren technischer Gesamtzustand aber oft zu wünschen übrig lässt), 0,60 EUR für eine Fahrt mit den besseren Bussen - länge der Fahrt oder Richtung egal. Leider ist das mit der Linienführung nirgendwo dokumentiert und jeder weiß für sich nur das, was er braucht. Dafür halten sie auf Fingerzeig, jedoch nur solange, wie man einen Fuß im Bus hat. Das sich daran anschließende Jonglieren mit Schalten, Lenken, Kassieren und Hantieren mit Wechselgeld ist eine Kunst, die die Fahrer in einer Seelenruhe beherrschen.

Busfahrt

Untergekommen waren wir in einem schönen Hostel, wo sich stets schnell Kontakt zu anderen Reisenden knüpfen lässt, wir stießen auch auf ein paar Deutsche: Einem ehemaligen Söldner, der sich dort dauerhaft ein Zimmer leistet, und ziemlich zufrieden mit mit dem Leben zu sein scheint; eine Familie, die es trotzt Berufstätigkeit eingerichtet hat in einem mitgebrachten VW T5 den südamerikanischen Kontinent zu erkunden und den Komfort des Hostels nur für eine Nacht aufsuchten und einen feierlaunigen Sachsen, dem langsam die spannenden Länder ausgehen, die er noch nicht gesehen hat. Unsere Reisepläne jedenfalls, 4 Wochen im ländlichen Paraguay zu verbringen haben jedenfalls immer einiger Erklärung bedurft. :-) Unserem Ansatz am nächsten kam jedenfalls eine junge Amerikanerin die für das Friedenscorps für mehrere Monate Bildungsmaßnahmen in einem Dorf unstützt. Insgesamt bot diese Unterkunft und die Mitbewohner einen entspannten Auftakt.

Hostel

Hostel

Kochplatz

Besuch im Bethel

Wichtig war uns auch dem Bethel ein Besuch abzustatten, das etwas außerhalb, in der Universitätsstadt San Lorenzo liegt. Die Anlage stellt einen großen Kontrast zur Umgebung dar - alles ist ordentlich, es gibt befestigte Wege und eine funktionierende Entwässerung und das Potential der heimischen Vegetation wird zur Entfaltung gebracht - Mangos, Papayas, Avocados, Bananen, Orchideen und ein Wasserschwein, was im Teich lebt. Es lässt ahnen, wie schön das Land sein könnte, wenn das Potential auf die richtige Mentalität stoßen würde. Uns wurde ein Einblick in das Werk im Land vermittelt. Die Sprache der Einheimischen (Guarani) und die lokale Gebärdensprache prägen die Tätigkeit. Literatur wird dort nicht produziert, das Meiste kommt aus Brasilien, aber alles wird von dort verteilt und es gibt eine eigene LKW-Tour durchs Land. Der deutschsprachige Bruder, der uns herumgeführt hat, war übrigens derjenige, der uns seinerzeit den Brief beantwortet hat und er konnte unser Original noch aus dem Schreibtisch ziehen.

Karte

3 Schwestern

Gelände

Aufnahmestudio

Literatur

Truck

In der Nähe des Bethels haben wir dann auch noch einigen Brüdern einen Besuch abgestattet, die schon lange in Paraguay leben und unsere Sprache teilen. Zum einen ein Ehepaar, das seit vielen Jahren dort heimisch geworden ist und sich ein Geschäft aufgebaut hat, das darin besteht für Paraguay typische Lederwaren für Dienst und Publikationen anzubieten. Während die Waren eigentlich nur über das Internet zu haben sind, konnten wir die Gelegenheit nutzen eine Auswahl vor Ort in Augenschein zu nehmen und direkt zu Kunden zu werden - Diensttaschen, die in den folgenden Tagen auch noch gut zum Einsatz kommen sollten. Gleich um die Ecke wohnen zwei Sonderpionierschwestern, die allerdings im Spanischen Gebiet tätig sind. Der Vater der einen hat seine Wurzeln im südlichen Dithmarschen (und ist mit einigen in unserer Gegend gekannt) und kam als Gilead-Absolvent der 21. Klasse nach Paraguay, als das Werk noch jung war. Wir konnten ihren schönen Garten bestaunen, in dem Bananen, Mangos, Avocado, Orangen und Grapefuit ganz selbstverständlich geerntet werden können, und Freundschaft mit ihrem Schäferhund Axel schließen, der viel gefährlicher wirken muss, als er eigentlich ist.

Weg zum Saal

Sonntagmorgen ist die Stadt wie ausgestorben. Leider fahren auch die Busse etwas weniger und man muss genügend Zeit einplanen. Eine Schwester, die schon lange dort lebt, hat uns abgeholt, sonst hätten wir wohl nicht den richtigen Bus gefunden. Auch der Dauergast aus dem Hostel ist mitgekommen (war aber nicht zum ersten Mal in der Versammlung)

Beinahe zum Abschluss haben noch eine Zusammenkunft der Deutschen Versammlung in Asunción besucht. Deren Gebiet erstreckt sich vor allem auf Auswanderer aus deutschsprachigen Ländern, Studenten und einigen Mennoniten, die den Weg in die Hauptstadt gefunden haben. Es gibt ein paar Sonderpioniere, einige Einheimische (die trotzdem Deutsch sprechen) und auch hier ist immer genug zu tun.

Campo Nueve und Mennoniten-Kolonien

Am Montag hieß es dann das erste Mal wieder Sachen packen um uns auf den Weg in unsere Zuteilung zu machen. In Südamerika führt für längere Strecken kein Weg vorbei an Fernbussen. Diese sind ziemlich komfortabel - sie haben Klimaanlage und ordentliche Sessel mit Liegeposition. Ob der immensen Entfernungen kann man aber sehr lange unterwegs sein, selbst wenn die Busse bei jeder Gelegenheit (und das ist ein dehnbarer Begriff, denn bisweilen wird das Ausweichen des Gegenverkehrs mit einkalkuliert) überholen. Für unsere 4-Stunden-Fahrt mussten wird ca. 9 EUR pro Person zahlen, was echt fair ist. Es gibt verschiedene Anbieter und an den wichtigsten Orten mehr oder weniger große und ziemlich hektische Busterminals. Für alles weitere muss man sich dann durchfragen - Fahrpläne oder Anzeigen gibt es nicht. Ca. 1h ging es dann noch durch den Großraum Asunción, wo sich immerhin 1,4 Mio. Menschen tummeln und dann raus aufs Land. Um Caacupé ist es geradezu bergig mit ein paar Seeen dazwischen, für die nächsten zwei Stunden zumindest hügelig und alles sehr grün. Wir folgten einer der wichtigsten Verkehrsadern, der sog. Ruta von Asunción im Westen in Richtung Ciudad del Este im Osten. Unser Ziel lag auf etwa zwei Dritteln der Distanz. Es war eine schöne Abwechslung die Weite des Landes und seine charakteristische rote Erde das erste Mal zu sehen.

Bus-Terminal

Auf dem Land

Raus aus der Stadt. Paraguay ist grüner, als wir es erwartet hätten und gerade östlich von Asunción auch sehr hügelig und mit ein paar Seen ausgestattet.

Campo Nueve (also zu dt. Feld Nr. 9) heißt offiziell Dr. Juan Eulogio Estigarribia und ist eine aufstrebende Kleinstadt. Die Mennoniten haben in der Gegend die Agrarindustrie groß gemacht, und so gibt es dort zahlreiche große verarbeitende Betriebe, z.B. für Milch, die als wichtige Arbeitgeber fungieren. Der Ort ist auch der Versorgungsort, für diejenigen, die nördlich und südlich der Ruta leben, 60 oder mehr Kilometer ins Land hinein, wo viele Paraguayer und auch Deutsch-Brasilianer leben. Deswegen gibt es hier mehrere Supermärkte, Tankstellen, medizinische Einrichtungen und alles was man so braucht. Die gesamte Versammlung ist vor einigen Jahren aus dem Nachbarort, 30 km weiter, hierher gezogen, um insbesondere die Mennoniten-Kolonien besser bearbeiten zu können. Hier durften wir also die Einladungsaktion zum Gedächtnismahl unterstützen, die auch hier mit dem Ziel einher ging, das gesamte Gebiet zu bearbeiten, zumindest das nahe gelegene, da der Fokus zur Zeit nicht auf dem Außengebiet liegen kann (insgesamt hat das Gebiet einen Radius um 60 km).

C9

C9

Das Leben der Brüder vor Ort

Gruppenbild

Die Versammlung umfasst 23 Verkündiger, die meisten sind jünger als 35. 6 Ehepaare sind dabei, 3 Älteste, 1 Dienstamgehilfe, etwas über 10 Pioniere (bei dieser Aufzählung gibt es Überschneidungen). Selten sind alle gleichzeitig vor Ort. Das wirft Licht auf einen Fakt, der das Leben eigentlich aller, die dort dienen betrifft: Man kann vor Ort kein hinreichendes Einkommen erzeugen. Als Angestellter sind die Löhne niedrig und die Arbeitszeiten lang, sodass alles andere zu kurz käme. Als Selbstständiger ist es auch nicht leicht hinreichenden Umsatz zu erzeugen, wenn der Dienst nicht zu kurz kommen soll. Für die meisten heißt es also früher oder später für 2 bis 3 Monate in die Heimat zu reisen, um das Geld für den Rückflug und den Rest des Jahres zu erarbeiten. Manche haben einen festen Arbeitgeber, wo sie immer wieder einsteigen können, andere fliegen ab, ohne zu wissen, was sie tun werden. Die Sache ist nicht ganz ohne, denn der Abstand zwischen Einkommen in Europa und Ausgaben wird tendenziell kleiner. Unterkunft vor Ort ist sehr günstig, man kann ein gutes Haus für 120 EUR mieten, Alleinstehende wohnen ins WGs, Strom ca. 5 EUR, Internet ca. 30 EUR. Lebensmittel sind aber verhältnismäßig teuer, gerade in so einem aufstrebenden Ort. Ein weiterer Kostenfaktor ist das unumgängliche Auto. Kraftstoff ist etwas günstiger als bei uns (Diesel z.B. ca. 0,80 EUR / Liter), aber das Gebiet geht mit vielen Wegen einher und das Material wird auf diesen Straßen auf eine Weise beansprucht, dass Reparaturen häufiger anfallen.

Vor diesem Hintergrund ist es rundum beeindruckend, was diese Brüder und Schwestern auf sich nehmen, um ihren Dienst vor Ort zu ermöglichen. Es bedeutet echtes Vertrauen auf Jehova, und zwar immer wieder aufs Neue, und ein einfaches Leben, ohne viele der Annehmlichkeiten aus der Heimat. Einige schaffen das schon sehr lange, und bilden sozusagen den harten Kern der Versammlung. Andere sind erst kurz da, haben aber vor auf unbestimmte Zeit zu bleiben. Zwei Brüder entwickeln vor Ort ihr eigenes, handwerksbasiertes Geschäft, was es mittelfristig mindestens erlauben wird, die Arbeitsausflüge mit größerem Abstand zu unternehmen. Wieder Andere haben es für ein oder mehrere Jahre ermöglicht, haben also eine dauerhafte Rückkehr fest vor Augen. Dazu kommen noch Besucher, die für 3 oder 4 Monate bleiben, ohne aus ihrem heimischen Arbeitsverhältnis auszuscheiden. Wir, mit unseren knapp 4 Wochen zählen schon fast nicht. ;-) Tatsächlich ist das sehr kurz, um mit allem reinzukommen. Aber letztlich ist uns das in allen Belangen gelungen und uns wurde bescheinigt, eine geschätze Hilfe gewesen zu sein. Diese Bandbreite zeigt, was alles möglich ist. Die Brüder vor Ort freuen sich immer, über selbstständige und organisierte Hilfe vor Ort und wir wurden angehalten die Werbetrommel zu rühren.

Unsere Unterkunft

Haus

Dadurch, dass immer irgendjemand verreist ist (die meisten im paraguayischen Winter, also unserem Sommer), sind Häuser oder zumindest Betten frei. Wir hatten großes Glück und konnten zu viert ein Haus bewohnen, das mit allem ausgestattet war (die beiden Bewohnerinnen waren in dieser Zeit zum einen zum Arbeiten in Deutschland und zum anderen bei einem Baueinsatz in einem anderen Landesteil). Essentiell war die Terrasse, da man dort bei Temperaturen über 30 Grad am liebsten ist. Neben dem WLAN war die Waschmaschine eines der meistgeschätzten Ausstattungsmerkmale, denn die staubig-roten Straßen forderten ihren Tribut (geht übrigens super raus, wenn man die Stücke vorher mit Kokosseife einweicht), neben dem bei vier Personen sowieso schon ein Berg anfällt. Selbiges gilt auch für das Geschirr, dass es von Hand zu spülen galt. In Paraguay gibt es in der Regel keine zentrale Warmwassererzeugung. Daher sind Duschköpfe mit integriertem Durchlauferhitzer Standard - bis zu 5,5 kW zusammen mit Wasser und eher lockeren Verdrahtungsprinzipien - eine spannende Mischung. Manchmal funkte es ein bisschen im Inneren, aber keiner von uns hat einen Schlag davon getragen (bei anderen Installationen sei es erforderlich um den Wasserstrahl herum an den Hahn zu greifen, um ebendieses zu vermeiden). Die Temperatur kann dann nur durch die Durchflussmenge geregelt werden. Der Ausgangspunkt der Erhitzung ist übrigens auch vom Wetter abhängig, denn unsere Nachbarschaft wurde durch einen oberirdischen Pumpspeicher versorgt, der der Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist. Im Winter bewegen sich die Temperaturen auch in Paraguay durchaus Richtung Null, und dann wird es richtig ungemütlich. Warmwasser, wie oben beschrieben, ist dann Mangelware, die dünnen, undichten Fenster sind ein mangelnder Schutz, die Temperaturerhöhungsfunktion der Klimaanlagen sind ineffizient und teuer. Bleibt nur: dicke Kleidung, warmer Mate-Tee und die Erwartung wärmerer Zeiten. Wenn man dann bedenkt, das einige der paraguayischen Nachbarn in windschiefen Bretterverschlägen ohne Fenster wohnen, ist das nicht ohne.

Küche

Terrasse

Die Terrasse ist bei heißem Wetter ein sehr geschätzter Teil des Wohnraums. Die meisten Mahlzeiten haben wir hier eingenommen. Das Haus hat sich tagsüber ziemlich aufgeheizt, aber wurde in der Nacht wieder erträglich. In den Schlafräumen gab es zwar Klimaanlagen, auf deren verlockende Kühle aber eigentlich nur im Sommer zurückgegriffen wird

Straße

Vor unserer Haustür. Campo Nueve verteilt sich auf einer ziemlich großen Fläche, weshalb es viele und lange Wege gibt. Gut bestellt ist es um ihre Qualität natürlich nicht; meist Erdstraßen mit schlimmen Rillen. Die Nachbarschaft war übrigens alles andere als ruhig. Feste Bestandteile der Grundgeräuschkulisse waren: 1. Mopeds, die hier wie Fahrräder gelten und rund um die Uhr bewegt werden 2. Das Bellen von Hunden, die schon irgendjemandem gehören, aber in großen Rudeln auf den Straßen umherziehen und 3. Musik, meist mit einem charakteristischen Samba-Beat oder typisch paraguayische Polka und manchmal die ganze Nacht hindurch.

Hunderudel

Kuh

Viele der zahlreichen Grünflächen im Ort werden genutzt, sodass auch an unserem Zaun tageweise diese Kuh zu Gast war

Die Paraguayische Mentalität

Das Haus wies noch einen recht großen, grünen Garten drumherum auf. Das ist mit Blick auf die Nachbarschaft keine Selbstverständlichkeit und soll einmal Anlass für einen Exkurs in die Paraguayische Mentalität sein. Paraguay ist nicht das Land der Ästhetik und Ordnung. Viele Grundstücke der Paraguayer bestehen aus festgetretenem Lehmboden, übersät mit Müll und oft noch einem Autowrack in einer Ecke. Irgendwo gibt es dann eine Sammlung aus Gartenstühlen (typisch sind Gestelle, die mit einer Art Wäscheleine bespannt sind), wo der typische Paraguayer am liebsten sitzt, Tereré trinkt und in der Gegend herumschaut. Gearbeitet wird so wenig wie möglich, oft nur ein paar Tage die Woche. Wenn Geld da ist, wird das unter allen Familienmitgliedern aufgeteilt und schnell ausgegeben. Ersparnisse gibt es meist genauso wenig wie Sorge um die Zukunft oder das Bedürfnis die direkte Umgebung in Schuss zu halten. Es ist wirklich schmerzlich das mit anzusehen, denn Ordnung würde nichts kosten und das ganze Land so viel schöner werden lassen. Ein paar Taler auf der hohen Kante zu haben wäre gerade im Hinblick auf medizinische Überraschungen auch keine schlechte Idee. In einem solchen Fall wird dann wieder die Familie um Mithilfe gebeten. Leider gehen auch viele Einheimische davon aus, dass jeder Europäer viel Geld hat. Dieser Mentalitätsunterschied kann da, wo es Berührungspunkte gibt, durchaus für Spannungen sorgen. Im Hinblick auf unsere einheimischen Brüder sei noch erwähnt, dass es nicht einfach ist, als Angestellter zu arbeiten. Ein Faktor ist, dass alle möglichen Feste sehr intensiv gefeiert werden und daneben zu stehen nicht gut aufgenommen wird. Außerdem sind die Arbeitszeiten tendenziell lang. Viele sind daher selbstständig, als Handwerker oder Automechaniker.

Dienst bei den Mennoniten

Für uns gab es nach der Ankunft einen halben Tag Verschnaufpause, bevor es das erste Mal in den Dienst ging. Wir wurden dazu auf die beiden existierenden Predigtdienstgruppen aufgeteilt und lernten so im ersten Treffpunkt die Versammlung zumindest zur Hälfte kennen. Die zahlreichen Treffpunkte in Verbindung mit der Einladungsaktion machten für uns den Einstieg leicht. Sonst wird aber schon viel zu zwei gearbeitet, was gerade für Rückbesuche günstig ist. Dann ging es tatsächlich zum ersten Mal in den Dienst, und zwar in eine der beiden Mennoniten-Kolonien, die sich um den Ort herum erstrecken, wie noch viele Male danach.

Spiegel

Das erste Mal auf dem Weg ins Gebiet

Empedrada

‘Empedrada’ nennt man diese Straßen aus grobem Natursteinpflaster. Darauf kann man gut vorankommen. Rechts und Links von dieser Straße gehen die Einfahrten zu den Grundstücken ab

Diese Kolonien sind keine geschlossene Einheit, sondern die Organisationsstruktur, ein bestimmter Siedlungsverbund. Passiert man die Haupteinfahrten steht da ein Schild mit dem Namen, und sonst merkt man erst mal nicht viel. Über viele Straßen (teils grob gepflastert, meist Erdstraßen) erreicht man dann die einzelnen Höfe bzw. alleinstehende Häuser. Die stehen alle in einem komfortablen Abstand voneinander, immer ein paar hundert Meter, sodass Nachbarn voneinander ziemlich wenig mitbekommen dürften. Drumherum gibt es viele Felder (oft Mais oder Soja), künstliche Eukalyptus-Wälder und hier und da auch noch ein bisschen ursprünglichen Wald. Der wurde im Rahmen der Ansiedlung aber weitgehend entfernt. Insgesamt ist es aber trotzdem recht idyllisch. Man kann den Blick über seichte Hügel schweifen lassen, die Felder sind nicht monströs, hier und da durchzieht ein Fluss die Landschaft, bzw. begrenzt ein zerklüfteter Ausläufer eines Stausees die Kolonie.

Panorama

Die Anwesen sind an sich schon aufgeräumt. Manche geben sich richtig Mühe mit dem Garten, andere Häuser sind einfach von einem Garten umgeben. Die Häuser sind meist recht großzügig, aber sehr einfach. In der Regel eingeschossig, Blechdach, außen grauer Putz, Veranda vor der Haustür, verdunkelte Fenster, meist eine Garage integriert. Dass man in das Haus kommt ist überaus selten (Besuch jedweder Art wird eigentlich auf der Veranda empfangen). Wenn aber doch vertieft sich der äußere Eindruck: dunkel, wenig Einrichtung, ungemütlich, kalte Athmosphäre. Diese Häuser sollen ein Dach über dem Kopf bieten, nicht unsere Vorstellung eines Zuhauses erfüllen. Drumherum gibt es bei einigen Häusern noch Scheunen, manche haben auch einen kleinen Betrieb, z.B. eine Schreinerei, in denen paraguayische Arbeiter wirken. Die meisten haben ein paar Kühe, gerade jüngere Mennoniten arbeiten aber auch in den großen Betrieben in Campo 9.

Typisches Haus

Harte Arbeit gehört überhaupt zu den großen Werten der Mennoniten. Und auch große Familien sind ihnen viel Wert. Beides zusammen und der Umstand, dass Kosmetik und besondere Pflege als falsch gelten, lassen Frauen 10 … 15 Jahre älter wirken, als sie sind. Wer keine Kinder hat, gilt mindestens als irgendwie komisch, wenn nicht sogar gestraft. Die größte Nachkommenschaft, von der wir gehört haben umfasst 17 Kinder. Demnach füllt sich die Kolonie natürlich. Da die eine der beiden inzwischen voll ist, gibt es in der Nähe eine Neugründung mit 14.000 ha Land.

Die Besitzverhältnisse sind bei alldem nicht ganz durchsichtig. Das gesamte Land gehört der Kolonie, wobei Anteile an die Familien vergeben werden. Die umliegenden Felder werden normalerweise nicht durch die anwohnenden Familien bearbeitet, sondern an größere Betriebe oder Genossenschaften verpachtet, wenn ich das richtig verstanden habe. Kurzum ist nicht jeder Mennonit ein Landwirt, auch wenn die Kolonie davon lebt. Das gesamte Konstrukt sorgt natürlich für gegenseitige Abhängigkeit, spätestens, wenn man seine Milch loswerden möchte. Auch eine religiöse Verbundenheit existiert, allerdings gibt es zwei Gemeinden, eine alte und eine neue. Beides ist evangelisch geprägt, aber die Lehre und auch Ansichten und Lebensstil der Angehörigen der neuen Gemeinde sind etwas moderner. Natürlich fühlen sich alle ihrer Gemeinde verpflichtet und haben Respekt vor der Bibel und Gott, die Tiefe des religiösen Verständnisses ist aber begrenzt. Die Mennoniten praktizieren auch die Erwachsenentaufe, in der Regel in Verbindung mit der Heirat.

Zufahrt

Das ist tatsächlich eine Grundstückszufahrt - Hinter dem Wald gibt es zwei Häuser.

Gebietskarte]

Dank sehr zweckmäßiger, selbstgemalter Gebietskarten geht aber nichts unter.

Aufgund der oben beschriebenen Verhältnisse läuft der Dienst für größer angelegte Bearbeitungen in Autogruppen ab. Also ein Auto mit 4 bis 5 Personen fährt ins Gebiet und entweder bearbeiten immer zwei eine Adresse, oder man teilt sich gewisse Straßenzüge auf und trifft sich kurz darauf wieder. Es ist üblich und sogar bevorzugt mit dem Auto aufs Grundstück zu fahren. Bei Dauer-NHs kann man im Auto sitzen bleiben, hupen und warten bis jemand kommt (so machen das Bekannte unter sich auch und das wirkt am authentischsten). Normalerweise steigen aber 2 aus, gehen in Richtung der Eingangstür, warten aber in einiger Entfernung (auf keinen Fall geht man ganz bis zu Tür, denn das wäre schon ein Eindringen. Da es keine Klingel gibt, macht man sich durch lautes Klatschen bemerkbar, optional ergänzt durch einen lauten Gruß “Goon’dach”. Und dann heißt es warten. Kommt jemand raus, sollte, falls verfügbar, Mann mit Mann und Frau mit Frau sprechen. Tagsüber ist die Wahrscheinlichkeit die Männer anzutreffen wesentlich kleiner. Überhaupt gilt es den Tagesablauf der Mennoniten zu berücksichtigen: Aufstehen um 5:00, ab 9:30 Uhr ist mit den ersten Tereré-Runden zu rechnen, wo man nicht stören will. Ab 11:00 ist die Kernzeit der Mittagszubereitung, ab 11:30 Uhr wird gegessen (Kinder kommen aus der Schule nach Hause, Männer, wenn möglich auch). Im Zeitraum von 15:30 - 17:00 ist mit Melkarbeiten zu rechnen, wo garantiert niemand Zeit hat (genaue Zeiten sind auch davon abhängig, ob die Kolonie die Zeitumstellung, die es in Paraguay prinzipiell gibt, mitgemacht hat, oder nicht). Je nach Zeit wird es gegen 17:30 oder 18:30 sehr zügig dunkel - danach sollte man keine Häuser mehr aufsuchen. Dienst am Vormittag erstreckt sich also von 8:00 - 11:30 (Morgentreffpunkt ist daher gerne um 7:30). Nachmittags kann man ab 14:00 wieder unterwegs sein. So kann man also selbst eine ordentliche Mittagspause einplanen und trotzdem eine Menge schaffen. :-) Allerdings ist die Anzahl an Häusern, die man pro Stunde schafft, eher klein.

David und ich

Rote Erde

Pause

Pause mit Tereré. In dem kleinen Becher ist eine Kräutermischung, deren Hauptbestandteil Yerba-Mate ist, machmal ist auch noch Minze oder Zitronengras dabei. Das wird dann mit Eiswasser (aus dem Thermosbehälter) aufgegossen und dann ausgetrunken. Der Becher wird dann neu aufgegossen und weitergereicht. Das ist erfrischend (kaltes Wasser), belebend (die Kräutermischung) und auch noch ein soziales Ereignis. Alle Paraguayer machen das und gehört zur Gastfreundschaft so eine Runde zu eröffenen. Auch für sich allein ist es ein guter Begleiter an einem heißen Tag und viele sieht man mit entsprechendem Zubehör herumlaufen.

Oft sind auf den Grundstücken auch nur paraguayische oder indianische Arbeiter anzutreffen. Hier kommt man mit Spanisch weiter, obwohl ihre Herzenssprache Guarani ist (Die andere Versammlung am Ort kümmert sich um diese Sprache, die beinahe alle Paraguayer sprechen). Meistens fühlen sie sich aber nicht angesprochen, wenn man aufs Grundstück fährt. Es ist nicht garantiert, dass die mennonitischen Bewohner auch heraustreten und einen somit empfangen. Natürtlich können sie schnell erkennen, wer da vor der Tür steht und klatscht. Interessant ist es bisweilen, wenn man die Mennoniten selbst bei der Arbeit im Außenbereich antrifft - in der Regel ignorieren sie einen dann, denn das ist nicht Grund genug die Arbeit einzustellen. Einmal haben wir 5 Minuten neben einem gestanden, der sein Auto in aller Ruhe gewaschen hat. Als er fertig war, kam er zu uns und wir konnten uns nett unterhalten. In einem solchen Gespräch ist es übrigens nicht gewünscht gleich auf das Thema zu kommen. In der Regel erkundigt man sich nach dem Befinden und danach, ob viel zu tun ist. Ein beliebter Punkt des Small-Talks sind auch die Kinder (meistens zahlreich vorhanden) und deren Namen und so weiter. Das kann sich, wenn jemand gesprächig ist, ein paar Minuten hinziehen, bevor man zur Einleitung des Themas übergeht.

An der Tür

Auch wenn es nicht immer so war, sind die meisten Mennoniten freundlich und respektvoll. Wenn jemand mit der Bibel kommt, zählt das einfach. Es gibt in den Gebieten auch viele Rückbesuche und Studien. Zu regelmäßigen Zusammenkunftsbesuchen oder gar Anwesenheit beim Gedächtnisnmal ist es aber noch nicht gekommen. Dennoch sind selbst die Gespräche - in der Regel auf der Veranda mit mehreren Familienmitgliedern gleichzeitig - ein schönes Erlebnis. Mit vielen kann man schon etwas in die Tiefe gehen, denn die Grundbegriffe sitzen. Es war zu erwarten, dass es in dem Gebiet eine lange Vorlaufzeit braucht, denn in anderen Teilen des Kontinents (Mexiko) hat es auch lange gedauert, bis Mennoniten die Wahrheit annahmen und zur Versammlung stießen. Irgendwann war es aber soweit. Die Gebiete werden gründlich bearbeitet und zu vielen Adressen gibt es schon eine jahrelange Geschichte und Verkündiger haben während ihrer Besuche Kinder groß werden sehen.

Selbst wenn der Respekt vor dem, was die Nachbarn denken groß ist, so ganz eng und astrein sind die Gemeinschaften nicht. Es rumort, da die Machtverhältnisse und Einschränkungen nicht jedem schmecken. Es gab auch einen Veruntreuungsskandal, der viele nachdenklich werden ließ. Die Konsequenzen von Moralvergehen sind eigentlich strikt (führt zum Beispiel zum Ausschluss aus der Kolonie), aber dennoch ist Fremdgehen für Männer und Frauen gang und gäbe. Und auch so Kleinigkeiten, wie das Rauchen, was eigentlich strikt verpönt, hält hier und da Einzug. Für einige ist die Konsequenz nach Kanada auszuwandern, wo diese beiden Kolonien ihre Wurzeln haben. Viele fragen sich aber, was die Bibel nun wirklich sagt und könnten so ihren Ohren eher folgen, als wenn alles schon das Paradies wäre, wonach es auf den ersten Blick aussehen könnte.

Auf diese Weise haben wir mit eigentlich allen in der Versammlung zusammengearbeitet und Einblicke in das Leben der Mennoniten gewonnen. Auch ist es uns allen gelungen in Plautdietsch Einladungen abzugeben und das Video vorzuführen. So ganz trivial ist das nicht. Klar zählt es als Dialekt, aber doch mit eigenen Wörtern und Regeln der Grammatik und Aussprache. Gerade unsereins wirft dann noch die Kenntnisse des hiesigen Platts dazwischen. Und wie jedem, der sich bemüht eine Sprache anzuwenden, steht natürlich auch die Angst was falsch zu machen im Wege (gegenüber den Angeprochenen und gegenüber solchen, die es schon besser können :-). Am Ende hat es aber bei allen geklappt und wenn man ins Hochdeutsche ausgewichen ist, ging das Gespräch auch weiter.

3 Schwestern

Das Gebiet dieser Sprache ist übrigens recht groß. Neben anderen Teilen der Welt (unter anderem Russland und nach Zurückeinwanderung auch Deutschland und Kanada) gibt es Sprachinseln in Texas, Mexiko, Bolivien, Brasilien, Argentinien, Belize und Uruguay. Auch die zahlreichen Heranwachsenden sprechen die Sprache (in der Schule wird zwar auch Hochdeutsch vermittelt, aber das Reden fällt ihnen eher schwer), sodass es selbst in einigen Jahren noch genug zu tun geben sollte.

Feierabend

Öffentliches Zeugnisgeben

Trolley]

Öffentliches Zeugnisgeben gibt es natürlich auch, und zwar in dem zentralen Bereich, wo die Supermärkte, Geschäfte und der Busterminal sind. Dort müssen alle, die was einkaufen wollen, vorbei und es ist immer was los. Es rumpeln unzählige Mopeds (fährt dort jeder, wie Fahrrad) und Autos (in die man aufgrund der weit verbreiteten dunklen Scheibentönung kaum hineinsehen kann) vorbei, es tummeln sich Straßenverkäufer und es liegt Grillduft in der Luft, der von den Asado-Ständen (Gegrilltes Fleisch am Spieß) rührt. Dort werden zwei Trolleys hauptsächlich von der Plautdietschen Versammlung betreut. Neben Plautdiesch und Hochdeutsch (lesen die Mennoniten oftmals leichter) wird auch Spanisch und Guarani vorgehalten. Mennoniten trauen sich selten aus den Autos (sodass es bei einem Gruß in ihre Richtung bleibt). Dafür haben sich aber regelmäßig Paraguayer gemeldet, auch mit der konkreten Frage nach einem Bibelkurs. Diese werden dann umgehend an die Guarani-Versammlung am Ort weitergeleitet, die in Sachen Trolley nicht so oft aktiv ist.

Hilfe beim Saalbau

Arbeit

Während Campo 9 vor wenigen Monaten einen komplett neuen Königreichssaal bekommen hat, wurde in der Nachbarversammlung in O’Leary, 35 Kilometer weiter östlich eine umfangreiche Renovierung einen Monat vor dem Gedächtnismahl begonnen: Der Innenraum einschließlich Fliesen und die Fenster sollten erneuert und das Ziegeldach durch ein Blechdach ersetzt werden. Viel Arbeit, die zum Gedächtnismahl natürlich abgeschlossen sein sollte. Demgemäß war der Bedarf an Helfern groß und der Ruf erging auch an die (Platt-)Deutsche Versammlung in Campo 9 tageweise zu unterstützen. Zwei Ehepaare wurden vom Bethel für die gesamte Bauzeit entsendet. Wir haben zumindest ein paar Tage mitgemacht. Die Mittel sind genau wie die Säle insgesamt sehr einfach und zweckmäßig gehalten. So wurde vieles von Universaltalenten und willigen Helfern in Angriff genommen, nicht von Gewerkeexperten. Wir haben daran mitgewirkt die Fliesen herauszunehmen (man hat sich glücklicherweise dazu entschieden den alten Kleber durch eine Schicht Estrich zu überdecken), neue Fliesen zu verlegen sowie die Ziegel vom Dach zu nehmen (das Gewicht hatte die Dachlatten im laufe der letzten Jahre durchbiegen und so die Gefahr von Undichtigkeit aufkommen lassen) und Trapezbleche zu verlegen. Ferner war der Rat für die einfache Medientechnik im Saal gefragt. :-)

Pause

Für mich war es das erste richtige Saalbauprojekt seit langem und es war eine große Freude. Hier und da mussten Sprachbarrieren überwunden werden und Toleranz für die Mentatlität aufgebracht werden. Da die eine Hälfte des Daches bis zur Grundstücksgrenze ragte, musste es vom Nachbargrundstück abgeräumt werden, ebenfalls eine Schwester. Nun war der Garten mit Schutz, Hühnern und irgendwelchem Schrott schon sehr paraguayisch gestaltet, aber für die helfenden Brüder war es überhaupt kein Problem weiteren Schutt an Ort und Stelle auszuleeren, Scherben von Dachziegeln einfach liegen zu lassen und Zweige die beim Transport im Weg waren abzureißen. Auch am Ende wurde meine kleinen Aufräumversuche nicht weiter unterstützt. Trotz des insgesamt temperaturgemäßen Tempos haben sie dann noch zusätzliche Pausen eingelegt und überhaupt viel Zeit auf den Klappstühlen verbracht, die die Nachbarin schnell aufgestellt hatte. Naja, sie sind wohl trotzdem pünktlich fertig geworden mit allem. Die Versorgung und Stimmung in den Pausen war gut. Zum Frühstück gab es Empanadas, zu Mittag wurde immer gut aufgetischt. Einzig der Rote-Beete-Saft mit Stevia hat mich wirklich schockiert. Eine sehr brauchbare Sitte ist die lange Mittagspause wo sich alle eine ruhige Ecke für ein Nickerchen suchen. Es ist beeindruckend, in welcher Einfachheit die Zusammenkunftsstätten dort gehalten werden und wie gut mit dem Material umgegangen wird - selbst die herausgebrochenen Fliesen, von denen nur noch wenige in einem Stück waren, wurden noch verkauft (um anderswo in einem Bruchstück-Mosaik wieder verbaut zu werden), genau wie die alten Dachziegel. Auch ohne Anspruch auf Perfektionismus wurde so eine würdige Versammlungsstätte hergestellt.

Dach

Gruppe

Am See

An einem der Abende ging es noch zum nahegelegenen Ausläufer eines Stausees. Dort konnten wir endlich mal wieder in ein Wasser hüpfen, was nach dem Arbeitstag echt gut tat.

Grillen

Ein Bruder, der ein paar Monate bei der Versammlung tätig war, hat seinen Abschied gegeben und für Fleisch gesorgt. Das wurde dann auf der Glut des Lagerfeuers, das aus vor Ort gesammeltem Holz gefüttert wurde, gegrillt. Als es fertig war, gab es rundum zwar nur noch tiefe Dunkelheit, aber es war überaus lecker.

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