5 Dinge die ich aus Paraguay mitgebracht habe

1. Nie wieder vor sich herschieben die Fotos aus dem letzten Urlaub zu sortieren

Es ist ein typisches Szenario: Ich nehme mir zwar vor nicht nur durch den Sucher der Kamera zu erleben, aber letztlich gibt es immer viele Anblicke die ich entweder zu dokumentarischen oder fotografischen Zwecken erstmal festhalte. Als Ergebnis sammeln sich dann doch ziemlich viele Bilder auf den Speicherkarten. Noch dazu hat heute jeder der Mitreisenden auch noch ein Handy, was oft gezückt wird. Das endete stets in der Notwendigkeit nach der Reise viel Zeit in das Sichten und bearbeiten des Gesamtbestands aufzubringen. Das ist nervig zumal die Auswahl dann bereitsteht, wenn das Interesse, z.B. der Daheimgebliebenen oder der Mitreisenden, nicht mehr am höchsten ist. Die Erwartung ist, dass Bilder noch am selben Tag gepostet, verschickt, betrachtet werden können.

Diesmal habe ich geschafft das zu vermeiden. Und zwar durch folgende Maßnahmen

  1. Geteiltes Album für alle Mitreisenden, in diesem Fall bei GoogleFotos. So kann jeder der Mitreisenden das der Gruppe zur Verfügung stellen, was er für brauchbar hält und keiner muss aufeinander warten.

  2. WLAN-Export aus der Kamera. Das hilft um mit dem Workflow am Mobilgerät schnell weiterzukommen und gestattet es das Notebook außen vor zu lassen. Die Olympus-App gestattet alle Bilder durchzugehen, zur Prüfung hineinzuzoomen und die Bilder einzeln und Recht zügig zu übertragen. Damit geht eine Vorauswahl einher. Die Bilder kann ich dann wie die mit dem Handy aufgenommenen verwenden

  3. Bearbeitung mit mobilen Werkzeugen, wenn es zeitlich passt. Ja, das mag dem geneigten Fotoamateur frevelhaft vorkommen, aber man muss zugeben, dass die Relevanz der meisten Fotos über eine Rolle in der persönlichen digitalen Präsenz nicht hinausreicht. Wenn der Output der Kamera stimmt, werden die Fotos ihre Wirkung nicht verfehlen, auch wenn den Mühlen eines vollen RAW-Workflows nicht unterworfen wurden. Warum die Sache als unnötig kompliziert angehen? Ein bisschen Zuschneiden, Korrektur und Effekt geht können auch zahlreiche Apps ziemlich gut. Die Ergebnisse sehen in jedem Fall besser aus, als die Unmenge von reinen Handyfotos, die alles überschwemmen. Noch dazu gibt ja die Möglichkeit die interessantesten Bilder später einer ausführlichen Behandlung zu unterziehen.

  4. Bilder nach Bedarf verwenden. Spätestens wenn man nach Hause kommt, hat man schon alles parat, um seine Berichtungen zu illustrieren. Schon während der Reise kann Instagram, GNUsocial und WhatsApp versorgt werden, ohne auf das Bildmaterial aus der Kamera verzichten zu müssen. Die trotzdem noch entstehenden Schnappschüsse mit der Handykamera und Videos reihen sich dabei nahtlos aneinander.

2. Ein Taschenmesser ist nicht nur ein Souvenier

Reparatur

Paraguay ist ein Land für Macher - man muss sich selbst zu helfen wissen, statt auf andere zu warten. Zwar sind Arbeitsstunden spottgünstig, aber die Zuverlässigkeit und Qualität und Auftragstreue lassen zu wünschen übrig und wenn noch dazu schnell gehen soll, sollte man selbst loslegen können und von vielem eine Ahnung haben. Handwerkliche Fähigkeiten sind von immensem Vorteil und wieder einmal habe ich bedauern müssen, dass ich damit Elektrikern, Tischlern und Allround-Handwerkern in einigem nachstand. Daran lässt sich langsam arbeiten, durch konsequentes

Aber neben dem nötigen Geschick braucht es auch geeignetes Werkzeug. Aufgrund der Umstände habe ich das verschiedenen Gelegenheiten vermisst, bzw. erlebt, wie im Notfall ein Taschenmesser nebst Multitool das Nötige schnell bewirken konnte (einmal musste ein HDMI-Verlegekabel mit Ferritdrossel für ein Installationsrohr zurechtgeschnitzt werden, ein anderes Mal galt es auf der Straße den Wärmetauscher für die Innenraumheizung eines Autos totzulegen, weil sich über ihn zu viel Kühlwasser verabschiedet hatte). Etwas anderes war schlichtweg nicht zu Hand. Auf korrektes oder ein bestimmtes Material oder Werkzeug in Paraguay zu warten, ist ebenfalls keine gute Idee. Es hat mich beeindruckt die erfolgreiche Verwendung dieser Werkzeuge zu beobachten. Ich besitze zwar ein kleines Schweizer Taschenmesser, was mir meine Eltern vor Jahren aus dem Allgäu-Urlaub mitgebracht haben, aber es begleitet mich nicht im Alltag. Ich nehme das zum Anlass mal zu schauen, was es da so gibt. Für den nächsten Trip in ein Land der Pragmatiker erscheint mir das ein sinnvolle Investition.

3. Offline ist Realität

Auch wenn Deutschland in Sachen Breitbandausbau nicht gerade zum Vorzeigeland gehört, konnte ich mich doch bisher darauf verlassen, dass selbst mit einer ADSL-Verbindung alles funktioniert - Streams, Downloads und Uploads starten, wenn man es braucht. Das war in dieser Wohnsituation nicht der Fall. 1 Mbit/s für 4 Benutzer mit jeweils mindestens zwei Geräten. Noch dazu war das Wohnhaus nicht über eine Kabelverbindung angeschlossen, sondern per Richtfunk zu irgendeinem Funkmast, an dem für das ganze Viertel eine Verbindung zum Glasfasernetz besteht - nicht das Zuverlässigste. Auch wenn bei uns zu Hause viel gemeckert wird, scheint der beschriebene Zustand im welteiten Mittel wesentlich repräsentativer zu sein oder im Vergleich sogar schon gut. Sich in seinem Informations- und Bespaßungsverhalten darauf zu verlassen, dass alles ein Klick entfernt ist, ist also Luxus. Es heißt also: (1) Die wichtigsten Unterlagen und ein bisschen Musik etc. sollte man zur Offlineverwendung schon dabei haben. (2) Ein Leben ohne ständiges Online muss möglich sein und mit Sinn gefüllt werden. Das erinnert mich für zu Hause zumindest daran nicht bis vor dem Einschlafen auf irgendwelche Bildschirme zu starren die der Berieselung durch Online-Inhalte dienen. Ich habe jemanden kennengelernt, der zu einer bestimmten Zeit alle elektronischen Geräte ausschaltet, um sich auf anderes zu konzentrieren (z.B. Reden mit seiner Frau) und ein gesundes Einschlafen vorzubereiten. Ich kann mir vorstellen, dass das für einige inzwischen ein Problem ist und hoffe, dass das bei mir noch geht.

4. Die wahren Werte eines Autos

Straße

Ich saß während unseres 4-wöchigen Aufenthaltes in Paraguay nicht einmal selbst am Steuer, bin aber hunderte Kilometer über raue Pflasterstraßen (Empedradas), löchrige Asphaltstraßen mit Buckeln und Senken zur Geschwindigkeitsbegrenzung (Lomadas & Bajadas) und Erdstraßen gerumpelt, deren eigentlich harte Oberfläche ordentlich von Querrillen und Schwennsandlöchern durchzogen sind. Kriterien für ein Ordentliches Fahrzeug sind daher: Bodenfreiheit, ggf. Allradantrieb, Platz für fünf, günstige Ersatzteilversorgung & Know-How für Marke & Modell bei den örtlichen Mechanicos. Schön ist auch, wenn der allgegenwärtige Rote Staub nicht in allen Bestandteilen der Inneneinrichtung hängen bleibt und die Klimaanlage ihr Handwerk versteht. Ein spezielles Problem ist, dass viele der beliebten japanischen Modelle tatsächlich von dort eingeführt wurden und im Land von Rechts- auf Linkslenker umgebaut werden - als Konsequenz kann man vor Pfusch an Lenkung und Elektronik nicht sicher sein. Und selbst wenn alles glatt geht, ist der Blinker links an der Lenksäule zu finden und das Getriebe fühlt sich irgendwie schief / falsch / schwergängig an. In der Folge sind solche Umbauten nicht sonderlich wertstabil und es gilt deren Anschaffung am besten zu umschiffen (japanische Autos gibt es zu entsprechenden Konditionen auch als Linkslenker-Import). Ferner sind Autos in Paraguay verhältnismäßig teuer und selbst die größten Schrottbüchsen werden noch gehandelt, wenn noch irgendwie fahren. Auch Kraftstoff ist zwar günstiger als in Deutschland, aber 80% der Preise werden dort auch aufgerufen, bei sehr niedrigen Löhnen. Der Blick auf die Autowelt ist dort ein ganz anderer. Chevrolet gilt als zuverlässige, aber minimalistische Budget-Lösung, Toyota ist über jeden Zweifel erhaben, egal ob kleinere Kombis (die es in Europa nicht gibt) oder SUVs wie RAV4 oder Landcruiser stehen hoch im Kurs (letzterer kann aufgrund des Spritdursts und des hohen Basispreises schon eher als unvernünftige Lösung betrachtet werden). Auch wenn vereinzelt Amaroks und X5 zu sehen sind, greifen selbst die Prestige-Käufer eher zu großen Pickups, allen voran Toyota Hilux. Nun kann man bei unseren Straßen und Gehältern nicht dieselben Kriterien anlegen und all das übertragen. Aber dieser rein pragmatische Blick zeigt einen deutlichen Kontrast zum europäischen Automarkt und seinem Lebenssaft und ermuntert mich, darauf nicht reinzufallen.

5. PDF hat für theokratische Belange ihre Berechtigung

Bild

Ich habe mich daran gewöhnt alles theokratische digital zu erledigen. Die JW Library App ist inzwischen ein kofortables Werkzeug dafür und ich habe sie für Vorbereitungen intensiv genutzt, wie viele andere auch. Neben dem guten Layout auf allen Displaygrößen ist auch der schnelle Zugang zu Bibelstellen & Quellen ein Pluspunkt. Hier in der deutschen Versammlung habe ich aber bei verschiedenen gesehen, dass sie sich anhand der PDFs vorbereiten. Ein Faktor ist, dass es die Bibel auf Plautdietsch nicht in der App gibt. Will man die Texte also parat haben, muss sie selbst irgendwie mit dem Haupttext zusammenbringen (was einige Apps auch auf Basis von EPUB böten). Zum anderen sind so auch sonstige Randanmerkungen, Zusatzinformationen und Hervorhebungen möglich, was in der App nicht funktioniert. Ferner können die Dateien unabhängig von Gerät und Anwendung gespeichert werden (die Adobe Reader App bietet eine recht komfortable Dropbox-Anbindung). Ein weiterer Aspekt ist eher emotionaler Natur: Die Kategorie “Seite” hat immer noch eine Bedeutung, wenn die Inhalt ursprünglich als Druckerzeugnis gestaltet wurden. Neben den optischen Ankern die sich daraus ergeben, ist bisweilen übersichtlicher auf einer PDF-Teil herumzuzoomen, statt in einem Lauftext auf und ab zu scrollen, besonders wenn es Randanermunkungen und Kästen gibt. Ferner bleibt die ursprüngliche Typografie erhalten und Bilder können in allen Details betrachtet werden (die JW Library App bietet bisher keine Zoom-Möglichkeit). Und was ist nun mit den Bibelstellen und Quellen? Ich muss mir ehrlich eingestehen, dass das Bewusstsein, dass alles nur ein Tipp entfertn ist, dazu geführt hat, dass ich mir die Bibelstellen bei der Vorbereitung nicht mehr so intensiv anschaue oder mich bemühe den Hauptgedanken für das Studium parat zu haben - Man kann ja alles während des Vorlesens nochmal überfliegen. Demzufolge werde ich das mit der PDF jetzt auch mal probieren. Dank Split-Screen-Funktion wird das Vorbereiten dabei nichtmal unbedingt umständlicher.

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