Soziales Netzwerk gesucht

So genannte Soziale Netzwerke gehören seit ein paar Jahren zum Leben. Profile und Timelines haben es den Benutzern einfacher gemacht Informationen im Netz zu teilen, als das noch mit Websites, Blogs oder Foren der Fall war. Leider ist daraus nicht das humane Netz hervorgegangen, wo Information und Menschen in einem freien und globalen Austausch stehen, und die Welt somit etwas näher zusammenrückt, sondern ein ziemlicher Sumpf aus Datenwirtschaft, Oberflächlichkeit, Lügen und Pöbeleien.

Es steht außer Frage, dass private Kommunikation (und sei Sie auch an einen größeren Kreis gerichtet oder sogar an die Öffentlichkeit) nicht auf den Servern und geschlossenen Strukturen eines kommerziellen Anbieters passieren sollte. Komfort, Performance und Feature-Reichtum machen die Verwendung eben solcher Angebote aber angenehm und populär. Leider geht damit natürlich einher, dass der Betreiber, bei dem alle Kosten zusammenlaufen, irgendwie Geld verdienen muss und die einzige Ressource die Nutzerinformationen sind. Ferner ist ein Unternehmer, egal wie viel Benutzer er bei sich vereinen kann, lediglich seinem Profit verpflichtet, nicht Idealen oder moralischen Prinzipien. Je größer ein solcher Anbieter ist, desto mehr kann er sich herausnehmen, bis zu dem Punkt, wo sogar Gesetze (z.B. zum Datenschutz oder im Steuerwesen) scheinbar optional werden. Und die Größe der Nutzerbasis lässt natürlich auch jene Windhunde ihre große Chance wittern, die das Netz auch so schon mit Müll füllen. Ferner entscheidet die Größe einer Plattform aber auch darüber, wie attraktiv sie weiteren Nutzern erscheint.

Dieses Spannungsfeld ist bekannt und an sich kein Anlass mich hier zu äußern. Es lässt entweder unbedarfte Nutzer, Verweigerer oder solche zurück, die es mit einer Hassliebe erdulden.

Seit StudiVZ habe ich Verschiedenes genutzt. Zuletzt aber alles eingestellt - ein kurzer Abriss:

StudiVZ - Erwähnung aus persönlich-historischen Gründen - Profile und verrückte Gruppennamen, alles sehr tabellarisch strukturiert, war gerade rechtzeitig zu meiner Abi- / Studienzeit aktuell - irgendwie gibt es das noch, ist aber tot.

Google+ - komfortabel eingettet in der Google-Welt, wird ständig umgebaut, aber ist nie so richtig durchgestartet. Ich habe da trotzig zumindest Links gepostet, aber persönlicher Austausch ist nie zustande gekommen. Die Interessengruppen / Communities sind ganz gut und niveauvoll. Aber letztlich wird alles in den Instanzen von Google+ freiwillig eingegebene zur Vervollständigung der Informationen herangezogen, die sowieso schon bei Google anfallen. Auf Dauer ist das nicht hinnehmbar und es wäre auch unverantwortlich andere zur Benutzung zu ermutigen. Ferner stellt Google Dienste auch gerne mal von eben auf nachher ein, wenn sie nicht attraktiv genug erscheinen.

Facebook - Ich glaube hierzu ist schon alles mal thematisiert worden, teilweise in öffentlichen Diskursen und die meisten wissen die Facebook-Welt einzuordnen. Es ist ein erschreckend großes und erfolgreiches Unternehmen, das davon lebt Nutzerprofile mit Werbetreibenden zusammenzubringen. Es ist ein bisschen wie bei der “Bild”-Zeitung: Keiner nutzt es und trotzdem Nr. 1 in dem Segment. Man hört dann manchmal “ich habe da nur einen Account weil ich bei ein paar Leuten sehen will, was los ist”. Aber tatsächlich passiert da in meinem Umfeld nichts, was ich verpassen würde. Ausschlaggebend für mich mein Profil zu löschen war letztlich, dass der Newsfeed voller lediglich halbinteressanter Inhalte und Shares war, aber wenig Persönliches hatte. Letztlich vermisse ich nur ein paar Seiten, denen ich gefolgt bin und die bedauerlicherweise keine Andere Präsenz pflegen. Für mich ließ sich damit aber ein Verbleiben bei Facebook nicht begründen.

Twitter - Twitter ist tagtäglich präsent, sogar im Mainstream. Es wirkt als wichtige Gesellschaftliche Instanz, als Plattform wo wichtige Leute sich austauschen oder sich der Welt mitteilen. Als Unternehmen krankt es am Allheilmittel Wachstum, Gewinn gibt es keinen und die Versuche die Geldmaschine anzuwerfen, haben das Twitter-Prinzip eher behindert. Auch wenn es hier seriöse Kommunikation gibt, bleiben Hass und Pöbellei auch hier nicht aus. In Deutschland fehlt Twitter auch der persönliche Touch - es ist bisher nicht der Ort, wo man seinen Freunden begegnet. Die, die viel zu sagen haben, sind aber in der Regel (auch) dort anzutreffen. Für mich hat es immer knapp daran gefehlt dort mitzumachen. Nicht zuletzt, weil die Zukunft nach verschiedenen Übernahmegerüchten ungewiss ist.

Instagram - Die (inzwischen) Facebook-Tochter ist mit seiner einfachen, auf einzelne Bilder konzentrierte Funktionsweise groß und beliebt geworden. Auch in meinem Umfeld hat es viele Nutzer gefunden und die Verlockung ist groß, dabei zu sein. Die Nachteile sind die aber gleichen, auch wenn es nicht so zugespamt erscheint. Noch dazu schlägt die Monaterisierung zu und will unbedingt Features wie Videoschnipsel oder Live-Streaming etablieren. Und persönlich muss ich ergänzen: als Netzwerk fehlen mir reine Textnachrichten und als Fotonetzwerk vermisse ich Alben und nachdatierte Posts sowie einen Upload vom PC.

Alternative?

Trotz allem muss es soziale Netzwerke geben und sie leben natürlich davon, dass Nutzer zusammenfinden, Informationen um den Globus fließen und auf mehreren Endgeräten verfügbar sind. Gibt es eine Alternative den oben genannten Diensten? Alles, wo ein Benutzer glaubt mehr als Nutzername und E-Mail eingeben oder ein App installieren zu müssen, um dabei zu sein, wird die erforderliche “kritische Masse” nie bei sich versammeln.

Aber sind die dezentralen, freien und offenen Alternativen wirklich so abschreckend? Klar braucht es in irgendeinerweise Server, ob die oben umrissenen Bedingungen zu erfüllen. So etwas aufzusetzen und sicher & perfomant zu betreiben erlaubt etwas Erfahrung und Know-How. Kosten entstehen auch. Aber nicht jeder, der einen solchen Dienst nutzen möchte braucht einen eigenen Server. Dennoch sichert die Möglichkeit so etwas zu betreiben, dass man niemals von einem einzigen Menschen oder einer Organisation abhängig ist oder ihr vertrauen muss. Die Realität zeigt: Es gibt da draußen genügend Menschen, bei denen Wille und Fähigkeit zusammenkommen, sodass Server zur Verfügung stehen (gilt z.B. für XMPP oder *Diaspora).

Für einen reinen Benutzer ist aber nicht mehr zu tun, als bei den anderen Diensten: Registrieren mit Nutzername und Passwort. Das ist auch der Grund, warum ich hier hinreichend ernsthaft und begeistert eine Alternative vorstellen möchte.

GNUsocial

GNUsocial

Der Sinn dieses Artikels ist eigentlich nur der Hinweis darauf, dass ich jetzt begonnen habe GNUsocial zu benutzen. :-) Eine kurze Einordnung:

GNU social (previously known as StatusNet and once known as Laconica) is a Free and open source software microblogging server written in PHP that implements the OStatus standard for interoperation between installations. While offering functionality similar to Twitter, GNU social seeks to provide the potential for open, inter-service and distributed communications between microblogging communities. Enterprises and individuals can install and control their own services and data.

Wikipedia.en

Es ist in der Funktionsweise Twitter am ähnlichsten - nicht umsonst nennen sich die Beiträge Queets. Für kurze Updates, einzelne Fotos oder Links (also alles, was zu kurz für eine Notiz im Blog ist) erscheint es mir sehr geeignet. Hashtags, Mentions, Antworten, Weiterleiten und so weiter funktioniert auch. Ein Profil (wie man es von Facebook oder *Diaspora kennt) gibt es nicht, aber dank dieser Präsenz hier, halte ich das für verzichtbar.

Für GNUsocial gibt es viele Server (sog. Instanzen), aber in einem standardisierten Protokoll kommunizieren alle miteinander, sodass es letztlich ein Netzwerk ist. Das lles frei & offen - ein Traum (noch ein euphorischer Artikel)

Neben der ansehnlichen Nutzung im Browser geht es auch mit Apps. Ich verwende AndStatus.

Was fehlt jetzt noch? Leute, die ich kenne! :-) Ich kann da allerhand posten und das kann auch ohne Anmeldung gelesen werden, nämlich hier. Naturgemäß versammelt sich da ein ziemlich nerdiges Publikum, womit ich gut zurecht komme. Aber ich wäre begeistert, wenn sich dort auch ein paar persönliche Kontakte fänden. Also nur zu - man kann mit einem einfachen Schritt die ganzen nervigen sozialen Netzwerke hinter sich lassen! :-)

OK, es sind zwei Schritte:

  1. GNUsocial-Instanz aussuchen, z.B. gnusocial.de
  2. Mit einem frei gewählten Benutzernamen anmelden

Optional:

  1. Eine App auf den Mobilgeräten installieren
  2. @mstengel folgen

Es möge groß und stark werden!

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